November

In sechs Wochen ist Weihnachten.

In der Regel wird die Stimmung schon durch die ersten Lebkuchen und Spekulatius Ende August beansprucht, wenn man sie in den Regalen der Supermärkte entdeckt. Ich versuche sie nicht zu entdecken, was in Italien nicht so schwerfällt, denn hier beginnt der Vorverkauf erst Ende Oktober, und aufgestapelte Panettone lösen bei mir immer noch nicht Assoziationen wie Lebkuchen oder Spekulatius aus. So ganz langsam würde ich mich allerdings gerne einer zeitlich angebrachten Weihnachtsstimmung hingeben, wären da nicht die unpassenden Wetterkonditionen. Ich weiß, es gibt weiß Gott andere Probleme …

++++

Ich war ein paar Tage in Rom. Mit dem Zug.

Zugfahren in Italien ist preiswert. Für 16,20 Euro in dreieinhalb Stunden einmal quer durch den Stiefel. Über den Apennin hinweg und streckenweise durch ihn hindurch. Ich liebe Zugfahren. Wenn ich nicht rausschaue, schaue ich in mein Buch, das ich mir für die Reise ausgesucht habe. Lesen ohne schlechtes Gewissen, … weil doch noch so viel anderes zu tun wäre. Im Zug muss man nichts tun. Im Zug muss man nur sitzenbleiben, bis man ankommt.

Und dann habe ich mich ins Großstadtgewusel gestürzt. Mir tut das gut, nach jeder Menge Landleben. Rom ist unerschöpflich. Es gibt immer wieder Gründe, sechzehn Euro zwanzig hinzulegen …

++++

Heute versinkt alles im Dunst.

Das sind die Tage, an denen ich während der Wintermonaten in den Bars und ungeheizten kleinen Lebensmittelläden noch mehr friere, als gewöhnlich. Dann denke ich an nette Cafés in Deutschland, wo man sich durch Gratis-Illustrierten blättern kann, während man an einer heißen Schokolade mit Sahnehaube nippt.

Manchmal versinken wir tagelang in dickem Nebel. Dann erinnere ich mich daran, als unser Ältester uns vor Jahren zur Zeit des Renovierens das erste Mal besuchte. Eine Woche lang durften wir uns über seine Anwesenheit freuen. Er sah, was wir schon geleistet hatten und er sah, was es noch zu leisten gab, aber er sah nicht, in welcher Landschaft sich unser Haus befand.

++++

Dezember

Das schaut hässlich aus.

Befindet sich aber erfreulicherweise nicht in unmittelbarer Nähe zu unserem Haus, allerdings nahe genug, um auch uns endlich mit der Strommenge zu versorgen, die wir brauchen.

Kekse backen und gleichzeitig Weihnachtsmusik hören, während die Waschmaschine läuft und die Wärmepumpe sich um die Fußbodenheizung kümmert. Das ging noch nie!

Oh du fröhliche, oh du selige …

++++

++++

Weihnachten steht vor der Tür.

Und auf unserer Terrasse ein Tannenbaum. Nichts Edles, das bekommt man hier in Italien nicht. Es sind die kurznadeligen mit Wurzelballen, die in der enganliegenden Netzverpackung auf einen Käufer warten, der sie mit nach Hause nimmt. Wir haben einen mit nach Hause genommen. Auch ohne Netz bleiben die Äste erst einmal da, wo sie möglicherweise schon vor Wochen hingezurrt wurden. Nur mit aufgelegten Gewichten (quasi ein orthopädischer Eingriff) und genügend Zeit, bekommen wir sie in eine Position, die ein Schmücken zulässt.

Sind wir im Januar in Deutschland und die ausgedienten Edeltannen liegen abholbereit in sattem Grün und dicht benadelt am Straßenrand, möchte ich sie einsammeln.

Ich bin eine überzeugte Europäerin.

Nach einigen Jahren in Asien ist mein Zugehörigkeitsgefühl gewachsen. Da wurde Europa zur Heimat. Auch wenn die großen Ketten mittlerweile weltweit die Einkaufszonen bestimmen, die kulturelle Vielfalt ist noch nicht unter die Räder gekommen.

Das zeigt mir das weihnachtliche Sortiment im Supermarkt. Alles mit Neugierde probiert und einiges liebgewonnen. Nur an den gefüllten Schweinefuß habe ich mich noch nicht rangetraut …

++++

Heute kam das letzte Blech aus dem Ofen. Morgen kommen die Enkel.

Während der Adventszeit ging ein Hilferuf durch die sozialen Netzwerke. Wie organisiert ihr die Zutaten fürs traditionelle, deutsche Weihnachtsgebäck in Italien? Da gab es Vorschläge, wegen der fehlenden Oblaten die örtliche Pfarrei aufzusuchen, das Kokosfett bei Amazon zu bestellen und Marzipanrohmasse habe man schon bei Ikea gesichtet. Ich habe 15 Sorten gebacken. Ich hätte weitere 15 Sorten backen können und hätte immer noch kein Problem mit den Zutaten gehabt. Ich habe in vielen Auslandsjahren gelernt zu improvisieren. Meine Kekse sehen weder provisorisch aus, noch schmecken sie so. Frohe Weihnachten …

++++